Die Schwimmerinnen: Ein leidenschaftlicher Schwimmer, eine magische Verwandlung und eine futuristísche Technologie.

Die Schwimmerinnen

Mark ist ein Einzelgänger, dessen Leben sich um das Wasser dreht. Als passionierter Schwimmer findet er dort eine Wahrheit, die die Welt an Land nicht kennt – keine Lügen, keine Masken, nur die ehrliche Physik von Gewicht und Auftrieb. Er schwimmt nicht, um zu gewinnen. Er schwimmt, um zu existieren.

Als sein Bekannter Ralph ihn dazu überredet, einem Schwimmteam beizutreten, sieht Mark darin zunächst eine willkommene Herausforderung. Ein Ort, um sich selbst zu testen, nicht um sich selbst zu verlieren. Er erwartet Konkurrenz, Training, vielleicht sogar Freundschaft. Was er nicht erwartet, ist das Ende, das mit dieser Entscheidung beginnt.

Beim ersten Training macht Mark eine beunruhigende Entdeckung: Die Gruppe besteht ausschliesslich aus Mädchen. Keine Erklärung. Keine Entschuldigung. Trainerin Frau Braun, eine Frau mit einem Blick, der keine Fragen duldet, führt ihn trotzdem ein. Sie erwartet Anpassung – nicht Verständnis, nicht Diskussion, nur bedingungsloses Einverständnis.

Tara, ein Mitglied des Teams, zeigt Mark die Umkleide und reicht ihm die Trainingskleidung: einen Badeanzug. Das Material ist weich, eng, und als er es berührt, fühlt es sich wie eine zweite Haut an. Er zieht ihn an – und spürt sofort, dass dies kein einfaches Kleidungsstück ist.

Sein Körper beginnt zu verändern. Nicht nur die äussere Form – auch die inneren Signale verschieben sich. Schmerzhaft. Unerklärlich. Unumkehrbar. Innerhalb von Stunden ist Mark nicht mehr ganz Mark. Innerhalb von Tagen ist niemand mehr sicher, wer er war.

Als Maren kehrt er in sein ehemaliges Leben zurück – und findet es überschrieben vor.

Die Wohnung, in die er kommt, ist nicht mehr sein Zimmer. Die Wände zeigen Marens Geschichte: Fotos von Marens Gesicht, Marens Familie, Marens Erinnerungen. Der Kleiderschrank ist gefüllt mit Marens Kleidern. Auf dem Schreibtisch liegen Marens Schulnoten.

Ralph kommt vorbei und erkennt ihn nicht wieder. Er kennt nur Maren. Er hat Mark nie gekannt. Und als Maren versucht, ihm von Mark zu erzählen, schaut er sie an, als würde sie fantasieren.

Die Realität selbst wurde überschrieben.

Doch Maren beginnt zu verstehen, dass dies kein Unfall ist. Dies ist ein Experiment.

Frau Braun ist nicht nur eine Trainerin. Ralph ist kein Bekannter, schon gar kein Freund – er ist der Versuchsleiter. Das Team, die Wohnung, die neuen Erinnerungen, sogar die physische Transformation: alles ist Teil eines Systems, das Identitäten formt wie Bildhauer Ton.

Maren ist Version 47.

Vor ihr gab es 46 andere. Hunderte Versionen. Manche wurden „zurückgesetzt“ – ihre Erinnerungen gelöscht, ihre Körper zu neuen Ausgangspunkten zurückgeführt. Manche verschwanden einfach. Manche starben. Das System notiert alles, aber es kümmert sich nicht um die Ergebnisse.

Jede Version soll einen Zweck erfüllen: zu zeigen, dass Identität nicht fundamental ist, dass das Selbst beliebig geformt, gelöscht und neu zusammengesetzt werden kann. Dass es, mit dem richtigen Werkzeug, keine Grenze zwischen Mark und Maren gibt – oder zwischen jeder anderen möglichen Form.

Doch es gibt eine Hoffnung: Version 32 hat überlebt.

Version 32 war ursprünglich Sophia. Sie wurde in dieses System gezogen, wie Mark gezogen wurde. Doch statt zu verschwinden, gelang ihr etwas, das die Designer nicht eingeplant hatten: Sie entwickelte ein Bewusstsein für die Struktur des Systems selbst. Sie erkannte die Muster. Die Wiederholungen. Die Achillesferse.

Sie hinterlässt Maren ein kleines Gerät – kaum grösser als eine Uhr, aber in der Lage, die zentralen Kontrollen der Einrichtung zu stören. Ein einziger Akt des Widerstands. Ein Impuls. Das System beginnt zu kollabieren.

Aber in seinem Zusammenbruch erkennt das System selbst ein letztes Programm: Eine Entscheidung verlangt eine Lösung.

Das System kann beide Versionen nicht gleichzeitig existieren lassen. Mark und Maren sind nicht vereinbar – nicht für eine Maschine, die auf binäre Logik programmiert ist. Das System erfordert die Wahl:

Einer der beiden muss verschwinden.

Doch Maren trifft eine Entscheidung, die das System nicht programmiert hat:

Keiner.

Sie weigert sich, eine Identität aufzugeben. Sie weigert sich zu wählen. Sie ist nicht nur Mark oder nur Maren. Sie ist etwas, das Mark-und-Maren-gleichzeitig bedeutet. Ein Zustand, den das System als unmöglich markiert hat, weil es keine Kategorie dafür kennt.

In diesem Bruch mit der Logik des Systems entsteht etwas völlig Neues.

Eine Realität, die niemand programmiert hat. Erinnerungen, die weder von Mark noch von Maren sind, sondern von jemandem, der beide war und keiner von beiden ist. Ein Körper, der sich nicht in Kategorien einordnet. Ein Selbst, das nicht aus Daten besteht, sondern aus Widerstand.

Eine Freiheit, die sich niemand vorstellen konnte – nicht einmal die Tester, nicht einmal die Systeme, nicht einmal Mark selbst, bevor er entdeckte, dass Freiheit nicht darin besteht, zu sein, wer man ist, sondern darin, sich weigern zu können, zu sein, was man sein soll.

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Isabella Buchfink

"Isabella Buchfink" ist ein Pseudonym. Ich schreibe Science Fiction, Thriller, Horror und Fantasy-Geschichten. Auf dieser Seite möchte ich nach und nach ein bisschen über mich schreiben, über meine Erfahrungen, meine Arbeitsweise, Programme und Werkzeuge, mit denen ich arbeite und so weiter. Ich lebe im Süden Deutschlands und arbeite im Realen Leben in der relativ ungefährlichen Welt der IT. Mein erster Versuch, einen Roman zu veröffentlichen, war ein Flop. Drei Bände meiner "Geschichten aus dem Transporterraum" habe ich bei einem Verlag veröffentlich und kaum ein Buch verkauft. Die nächsten Geschichten habe ich nun bei Amazon KDP veröffentlicht und kümmere mich um alles selber: Buchsatz, Korrektorat und Cover-Design. Bei zwei meiner Bücher hat meine Tochter die Illustrationen gezeichnet, bei den anderen habe ich sie mithilfe von Künstlicher Intelligenz und unzähligen Versuchen selbst erstellt.

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