Schönheit lügt: Das Versprechen einer Karriere, ein Spupermodel und eine Verschwörung

Schönheit lügt

Schönheit lügt

Als Heidrun Hartmann, Modedesign-Studentin im dritten Semester, an einem gewöhnlichen Herbstmorgen auf dem Weg zur Hochschule von einer Frau mit einem Lumiere-Abzeichen angesprochen wurde, hätte sie es als das begreifen sollen, was es war: eine Falle. Stattdessen sah sie es als Chance.

Lumiere Couture war kein gewöhnliches Modehaus. Der internationale Konzern mit Hauptsitz in Paris galt als einer der einflussreichsten der Branche, seine Kampagnen füllten Magazintitelseiten auf der ganzen Welt, und wer einmal für Lumiere gearbeitet hatte, machte Karriere. Also erschien Heidrun beim Casting in einem alten Industrielager, posierte vor kalten Scheinwerfern, lächelte auf Kommando – und wurde ausgewählt.

Paris war wie ein Rausch. Die Penthouse-Wohnung, die Lumiere stellte, lag im Herzen der Stadt. Casting-Direktorin Claudia Reiner war aufmerksam, professionell, fast freundlich. Und Marc Devereux, der Gründer und CEO des Konzerns, ließ sich bei einem privaten Dinner Zeit mit seinem Charme. Heidrun glaubte, angekommen zu sein.

Dann begann es, sich zu verschieben. Das erste Kampagnen-Shooting lief ungewöhnlich. Kleine Grenzüberschreitungen, die jedes Mal als normal erklärt wurden. Als Heidrun für eine neue Kollektion in einem einteiligen Badeanzug fotografiert werden sollte, stimmte etwas nicht – die Stimmung, die Anweisungen, der Raum danach, in dem Heidrun nicht mehr genau sagen konnte, was eigentlich passiert war.

Claudia Reiner ließ keine Zeit für Fragen. Sie legte Heidrun Fotos vor – Fotos aus dem Shooting, die für kein Magazin bestimmt waren – und erklärte ruhig, was das bedeutete. Ab sofort gehorchte Heidrun, oder diese Bilder würden veröffentlicht. Keine Drohung. Eine Tatsache.

Lenas beste Freundin Josie, zurück in Frankfurt, merkte, dass etwas nicht stimmte, aber Heidrun schwieg. Das Schweigen kostete sie mehr als alles andere. Erst das Gespräch mit Nathalie, einem anderen Model, das seit Jahren für Lumiere arbeitete und die gleiche Geschichte kannte, gab Heidrun das Gefühl, nicht völlig allein zu sein. Nathalie hatte gelernt, zu funktionieren. Heidrun hatte keine Lust, das zu lernen.

Viktor Strauss, Journalist und Lumiere-Rechercheur seit Monaten, fand den Weg zu Heidrun. Er hatte Beweise, brauchte jedoch Aussagen. Heidrun zögerte – die Angst vor den Fotos war real. Aber die Angst vor dem, was aus ihr werden würde, wenn sie weiter schwieg, war größer.

Die große Modenschau im Grand Palais wurde zum Wendepunkt. Backstage, zwischen Anspannung und künstlichem Licht, traf Heidrun eine Entscheidung. Sie rief Josie an. Josie stieg ins nächste Flugzeug.

Was danach kam, war kein einfacher Sieg. Lumiere hätte die Geschichte fast begraben. Aber Viktor hatte Quellen, Nathalie hatte Mut, und Heidrun hatte – nach allem – noch ihre Stimme.

Der Konzern stand unter Ermittlung. Marc Devereux trat zurück. Claudia Reiner schwieg.
Heidrun fuhr mit dem Zug nach Frankfurt zurück, Josie neben ihr, Paris hinter ihr. Zurück in ihrer alten Wohnung, an ihrem Zeichentisch, mit einem leeren Blatt Papier vor sich, merkte sie: Die Modebranche hatte sie fast verschluckt. Aber sie hatte sich nicht verschlucken lassen. Sie fing an zu zeichnen.

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Mehr über die starken Heldinnen in meinen Geschichten findet ihr in dieser Übersicht.

 
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Isabella Buchfink

"Isabella Buchfink" ist ein Pseudonym. Ich schreibe Science Fiction, Thriller, Horror und Fantasy-Geschichten. Auf dieser Seite möchte ich nach und nach ein bisschen über mich schreiben, über meine Erfahrungen, meine Arbeitsweise, Programme und Werkzeuge, mit denen ich arbeite und so weiter. Ich lebe im Süden Deutschlands und arbeite im Realen Leben in der relativ ungefährlichen Welt der IT. Mein erster Versuch, einen Roman zu veröffentlichen, war ein Flop. Drei Bände meiner "Geschichten aus dem Transporterraum" habe ich bei einem Verlag veröffentlich und kaum ein Buch verkauft. Die nächsten Geschichten habe ich nun bei Amazon KDP veröffentlicht und kümmere mich um alles selber: Buchsatz, Korrektorat und Cover-Design. Bei zwei meiner Bücher hat meine Tochter die Illustrationen gezeichnet, bei den anderen habe ich sie mithilfe von Künstlicher Intelligenz und unzähligen Versuchen selbst erstellt.

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