In der dystopischen Geschichte ‚Gekaufte Seelen‘ geht es um ein Heilungsversprechen und die Kontrolle über Erinnerungen.
Iris war vierundzwanzig, als sie sich für die Rekonstruktion entschied. Auf der Kolonie Nehavar, einer Stadt unter einer Schutzkuppel auf einem fremden Planeten, war legale Medizin für Menschen wie sie unerreichbar – zu teuer, zu langsam, zu bürokratisch. Also ging sie dorthin, wohin alle gingen, die keine andere Wahl mehr hatten: in die Wurzeln, das Tunnelsystem unter der Stadt, wo ein Netzwerk aus Technikern Körper und Gehirn neu programmierte, ohne Fragen zu stellen. Die Klinik, die sich nach außen „Lichtkern“ nannte, versprach Heilung. Iris unterschrieb, ohne zu zögern.
Sie wachte auf und fühlte sich wie sie selbst. Fast. Die ersten Tage waren ruhig, bis die kleinen Unstimmigkeiten begannen. Ein Geruch, der eine Erinnerung auslöste, die nicht zu ihrem Leben passte. Ein Name, den sie nie gehört hatte und der ihr trotzdem vertraut vorkam. Die Technikerin Direktorin Reyhan versicherte ihr, das seien normale Nebenwirkungen der Anpassungsphase. Iris glaubte ihr – bis die Lücken sich zu Mustern fügten.
Auf der Suche nach Antworten wandte sie sich an den Schwarzmarkt im Bezirk Spindel, wo Informationen genauso gehandelt wurden wie Implantate. Dort traf sie Finn, einen Datenhändler, der von Gerüchten über „Geister-Patienten“ wusste: Menschen, die nach der Rekonstruktion behaupteten, nicht mehr vollständig sie selbst zu sein. Finn führte sie zurück in die Wurzeln, wo Iris auf Lotta traf, eine ehemalige Patientin, die das System von innen kannte und sich entschieden hatte, anderen zu helfen, anstatt zu schweigen.
Dann aktivierte sich der Code. Zum ersten Mal verlor Iris für wenige Sekunden die Kontrolle über ihren eigenen Körper, und eine fremde Präsenz meldete sich in ihrem Kopf zu Wort: Senna, ein digitales Erinnerungsfragment, das eigentlich gar nicht mehr existieren sollte. Senna wusste Dinge, die Iris nicht wissen konnte, und je öfter sie sich zeigte, desto schwerer fiel es Iris zu sagen, welche Gedanken ihr eigentlich gehörten.
Mit Lottas und Finns Hilfe begann Iris, das wahre Ausmaß der Klinik Lichtkern zu verstehen. Die Rekonstruktion war kein Heilverfahren – sie war der erste Schritt eines Programms, das Menschen in etwas verwandelte, das sich exportieren ließ: verbesserte, gehorsame Arbeitskräfte für entfernte Kolonien, verkauft an den Höchstbietenden, ohne dass die Betroffenen je davon wussten. Iris stand kurz davor, zur nächsten Lieferung zu gehören.
Sie suchte den Schmuggler Theo am Raumhafen Dock 9 auf, um einen Weg vom Planeten zu finden, doch Reyhans Organisation war ihr bereits auf den Fersen. Die Flucht führte durch die giftige Salzwüste von Tarrak, wo ein Hinterhalt die Gruppe auseinanderriss und Iris zwang, sich Senna anzuvertrauen, um zu überleben.
Am Ende blieb nur ein Weg: zurück in die Serverkammern unter Lichtkern, dorthin, wo die ganze Wahrheit über das Projekt gespeichert war – und über Senna. Iris musste sich entscheiden, was von ihr noch sie selbst war, was sie bereit war zu opfern, und wer sie sein wollte, wenn die Wahrheit endlich ans Licht kam.
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