In ‚Resozialisierung 2075‘ bekommt der Protagonist, ein verurteilter Schwerverbrecher, eine zweite Chance und einen neuen Körper, in dem er sich bewähren muss.
Im Jahr 2075 hat sich das Strafvollzugssystem grundlegend gewandelt. Statt lebenslanger Haft bietet der Staat Schwerverbrechern ein Programm namens Resozialisierung an: die vollständige Übertragung des Bewusstseins in einen neuen, biologisch gezüchteten Körper. Wer sich dem Verfahren unterzieht, verliert sein altes Gesicht, seinen alten Namen, seine gesamte Vergangenheit – offiziell, um der Gesellschaft ohne Vorurteile wieder begegnen zu können.
Der Protagonist, ein Mann Ende vierzig, verbüßt eine lebenslange Strafe für ein Verbrechen, das er zu verantworten hat und mit dem er nie wirklich abgeschlossen hat. Als ihm das Angebot unterbreitet wird, sieht er darin die einzige Möglichkeit, dem Gefängnis und seiner eigenen Vergangenheit zu entkommen. Er unterschreibt, ohne die Tragweite zu verstehen.
Der Transfer gelingt. Er erwacht in einem neuen Körper – dem einer jungen Frau, die fortan Alexandra heißt. Die ersten Wochen sind ein Kampf: fremde Reflexe, eine fremde Stimme, ein Gesicht im Spiegel, das ihr niemals gehört hat und das sie doch tragen muss. Die Erinnerungen an ihr altes Leben sind vollständig vorhanden, aber sie stecken in einem Körper, der ihnen widerspricht. Alexandra muss lernen, in dieser neuen Existenz zu funktionieren, während das Programm sie eng überwacht und ihr weismachen will, dass ihr altes Ich endgültig ausgelöscht ist.
Doch das ist es nicht. Fragmente ihrer Vergangenheit lassen sich nicht tilgen – ein Ort, ein Geruch, ein Name, der ein altes Gefühl auslöst. Als Alexandra zufällig auf Hinweise stößt, dass das Resozialisierungsprogramm weit mehr verschweigt, als es zugibt, und dass frühere Teilnehmer spurlos verschwunden sind, beginnt sie, eigene Nachforschungen anzustellen. Sie sucht nach Birgit, einer Person aus ihrem alten Leben, die sie einst kannte, und muss feststellen, dass diese sie nicht wiedererkennt – und auch nicht erkennen soll.
Parallel dazu gerät Alexandra ins Visier von Johannes Ahrens, einem Agenten der Programmaufsicht, dessen Aufgabe es ist, „Abweichler“ – Transferierte, die zu viel über ihr altes Leben wissen wollen oder sich dem System entziehen – aufzuspüren und zu korrigieren. Mit Hilfe von Bennett, einem anderen Transferierten, der das System seit Jahren unterwandert, taucht Alexandra unter und gerät in eine verborgene Gegenbewegung ehemaliger Häftlinge, die sich weigern, ihre Vergangenheit auslöschen zu lassen.
Im Zentrum der Geschichte steht Alexandras innerer Kampf: Wer ist sie noch, wenn Körper, Stimme und Gesicht nicht mehr zu der Person passen, die sie einmal war? Ist Identität an einen Körper gebunden, an Erinnerungen, oder an etwas, das keinem von beidem entspricht? Je tiefer sie in die Wahrheit über das Programm eindringt, desto klarer wird, dass die Rückkehr zu ihrem alten Leben unmöglich ist – und dass sie einen neuen Weg finden muss, mit dem zu leben, was von ihr übrig geblieben ist.
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