Die Tournee durch das Sonnensystem: „Pirouetten im All“
Lyra Soleil, 19 Jahre alt, aufgewachsen auf Aphrodite – dem größten bewohnten Mond der Venus – hat seit früher Kindheit nur einen Traum gehabt: zu tanzen. Mit sechzehn gewann sie den Interplanetaren Ballettwettbewerb, mit achtzehn wurde sie Erste Solistin der berühmten Aphrodite-Kompanie, und nun, mit neunzehn, bricht sie zur größten Tournee auf, die je ein Ensemble der Vereinten Planeten unternommen hat. Vierzehn Planeten in vierzehn Monaten.
Die Reise beginnt auf Ceres, dem Verwaltungszentrum der Vereinten Planeten, wo die Kompanie vor ausverkauften Sälen spielt. Lyra schreibt alles in ihr Tagebuch: die fremden Gerüche der Raumstationen, die Schwerelosigkeit zwischen den Planeten, die Gesichter im Publikum. Es ist auf Ceres, wo sie Nils kennenlernt – einen jungen Wissenschaftler der Planetaren Akademie, ruhig, klug, mit einem Lächeln, das sie nicht aus dem Kopf bekommt. Aus einem zunächst schüchternen Gespräch nach einer Vorstellung wird Korrespondenz, dann Nähe, dann etwas, für das Lyra noch keinen Namen hat.
Auf Mars trifft sie Zara, eine ehemalige Athletin, die jetzt als Sicherheitsbeauftragte für die Kompanie arbeitet – hart nach außen, loyal bis ins Mark. Auf dem Jupitermond Kallisto schließt sie Freundschaft mit Finn, einem frechen Piloten der Begleitflotte, der jede Situation mit einem Witz entschärft und im Ernstfall der Mutigste von allen ist. Und in den Wasserstädten von Ganymed begegnet sie Sena, einer Medizinstudentin, die heimlich Lyras größten Fan ist und deren Herz genauso groß ist wie ihr Verstand.
Doch nicht alle verfolgen Lyras Aufstieg mit Bewunderung. Irgendwo in der Randzone – dem ungeregelten Gauerterritorium jenseits der offiziellen Planeten – plant jemand, Lyras Talent gegen sie einzusetzen. Auf dem Planeten Dusk, einer Schmugglerstation am Rand des Systems, existiert ein Markt, auf dem Künstler und Performer wie Waren gehandelt werden. Und Lyra, die berühmt genug ist, um auf jedem Planeten erkannt zu werden, wär dort eine Sensation.
Der Anschlag geschieht auf Titan, nach der Vorstellung. Lyra wird betäubt, in eine Frachtkapsel verladen und aus dem gesicherten Raumhafen geschmuggelt. Als sie aufwacht, ist sie allein – kein Tagebuch, keine Kompanie, keine Verbindung nach außen. Nur die dumpfe Stille einer Frachtkammer und das Gefühl, dass die Sterne, unter denen sie getanzt hat, nun sehr, sehr weit weg sind.
Zurück auf Titan bricht Chaos aus. Nils, Zara, Finn und Sena schließen sich zusammen. Mit bruchstückhaften Hinweisen, einem gestohlenen Raumschiff und der Hilfe von Kontakten am Rande der Legalität beginnen sie eine Suche, die sie in die gefährlichsten Winkel des Sonnensystems führt.
Lyra, eingesperrt auf Dusk und gezwungen zu tanzen, kämpft auf ihre eigene Weise: Sie beobachtet, plant, schreibt in Gedanken Tagebuchseiten, die sie nie notieren kann – und wartet auf den richtigen Moment. Die Befreiung, als sie kommt, kostet alle ihren Teil. Und als Lyra schließlich wieder unter echtem Sternenlicht steht, hat sie mehr verloren und mehr gewonnen, als sie je erwartet hätte. Aber sie tanzt noch. Das zählt.
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