Nerion-7: Eine Strandparty, ein fremder Badeanzug, eine unheimliche Verwandlung und eine finstere Verschwörung.
Ich erwachte mit Sand zwischen den Zähnen und einem fremden Badeanzug in meinem Bett. Nicht meiner. Nie meiner. Er roch nach Salzwasser und einem Parfüm, das ich nicht kannte, und er lag da, als hätte ihn jemand absichtlich neben mich gelegt, während ich schlief.
Die Nacht zuvor war die Strandparty am Lumenriff gewesen, das jährliche Fest, mit dem die Kolonisten von Nerion-7 das Ende der Trockenzeit feierten. Ich erinnerte mich an Lichterketten über dem violetten Wasser, an Musik, die durch den Sand vibrierte, an ein zweites Mond, der tief über dem Horizont hing. Und dann: nichts mehr. Ein Loch in meiner Erinnerung, so glatt und schwarz wie das Riff selbst.
Ich bin Modedesignerin. Ich entwerfe Kleidung, ich erkenne jeden Stoff, jede Naht, jeden Schnitt auf den ersten Blick. Und dieser Badeanzug war nicht von hier. Die Fasern schimmerten in einem Muster, das ich noch nie gesehen hatte, halb Stoff, halb etwas Lebendiges. Er gehörte einer Frau, die ich nicht kannte. Einer Frau, die, wie ich am nächsten Morgen erfuhr, seit der Party spurlos verschwunden war.
Die Ermittler kamen noch am selben Tag. Sie fanden den Badeanzug in meiner Wohnung, meine Fingerabdrücke auf dem Verschluss, meine DNA in den Fasern, obwohl ich schwören konnte, ihn nie zuvor berührt zu haben. Von einem Moment auf den anderen war ich nicht mehr Zeugin, sondern Verdächtige.
Also begann ich selbst zu suchen. Ich sprach mit Leuten, die auf der Party gewesen waren, mit der besten Freundin der Verschwundenen, mit dem Sicherheitsoffizier, der die Ermittlungen leitete und mir nicht traute, es aber nicht zeigen wollte. Ich folgte einer Spur aus Widersprüchen: Zeugen, die sich nicht einig waren, wann die Frau zuletzt gesehen wurde. Ein Sicherheitsprotokoll, das genau in der Stunde meines Erinnerungslochs eine Lücke aufwies. Ein Labor am Rand der Kolonie, das offiziell seit Jahren geschlossen war und in dem nachts trotzdem Licht brannte.
Je tiefer ich grub, desto klarer wurde, dass der Badeanzug kein Zufall war. Er war eine Botschaft, ein Beweisstück, das jemand ganz bewusst in meinem Bett platziert hatte, um mich zu warnen oder zu belasten, ich wusste nicht, welches von beidem schlimmer wäre. Die Spur führte mich durch die Unterwasserhöhlen unter dem Riff, in ein verlassenes Forschungslabor, das offiziell nie existiert hatte, und schließlich zu einem Geheimnis, das die gesamte Kolonie seit ihrer Gründung zusammenhielt: ein Experiment mit dem Wasser des Planeten selbst, mit Stoffen, die sich in lebendes Gewebe einschrieben, mit Menschen, die verschwanden, weil sie zu viel wussten.
Am Ende musste ich mich entscheiden, ob ich die Wahrheit ans Licht bringe, auch wenn sie die einzige Welt zerstören könnte, die ich kenne, oder ob ich schweige, um sicher zu bleiben. Der fremde Badeanzug, mit dem alles begonnen hatte, wurde zum Schlüssel für etwas, das viel größer war als eine einzelne verschwundene Frau, und ich war die Einzige, die ihn noch drehen konnte.
Das Buch ist bei Amazon erschienen:
Mehr über die starken Heldinnen in meinen Transgender-Geschichten und den anderen Büchern.




