Ein (frei erfundenes) Interview mit Isabella Buchfink.
Vorsicht beim Aufwachen!
Reporter:
Frau Buchfink, schön, dass Sie da sind. Gleich zu Beginn die Frage, die alle beschäftigt: Wer ist eigentlich Isabella Buchfink?
Isabella Buchfink:
Eine Romanfigur, die sich selbstständig gemacht hat. Ich habe mir den Namen aus meiner Geschichte „Jonathan und der sanftmütige Roboter“ geliehen. Ich habe ihn bis heute nicht zurückgegeben, aber sie hat sich noch nicht beschwert.
Reporter:
Das Pseudonym ist also offiziell kein Geheimnis.
Isabella Buchfink:
Genau. Ich habe es sogar auf die Homepage geschrieben. Für ein Geheimnis ist das ein ziemlich schlechtes Versteck.
Reporter:
Frau Buchfink, Sie schreiben Science Fiction, Thriller, Horror und Fantasy. Ist das nicht ein bisschen unentschlossen?
Isabella Buchfink:
Ich nenne das Rundumversorgung. Wer Raumschiffe mag, bekommt Raumschiffe, und wer Burgruinen mag, bekommt eine verfluchte Geisterstadt. Für Vampire in Rom, Meerjungfrauen, Piraten und Wölfe habe ich auch noch Platz.
Reporter:
Fangen wir am Anfang an. Ihr erster Roman-Versuch …
Isabella Buchfink:
… war ein Flop, das schreibe ich auch ganz offen auf meine Seite. Drei Bände meines ersten Romans sind bei einem Verlag erschienen und haben sich kaum verkauft. Seitdem mache ich alles selbst über Amazon KDP: Buchsatz, Korrektorat und Cover. Mein Verlag und ich verstehen uns jetzt sehr gut, weil wir dieselbe Person sind.
Reporter:
Auffällig ist, dass in Ihren Büchern Menschen auffallend oft im Körper eines anderen aufwachen.
Isabella Buchfink:
(lacht) Ja, das ist eine meiner Spezialitäten. In „Substitute“ rettet ein Ersatzkörper einem Fußballer das Leben, in „Ein dämlicher Zwischenfall“ geht ein Teleport schief, und bei „Ich bin Du“ ist ein Freibad schuld. Die Lehre aus meinen Büchern: Teleporter, Zeitmaschinen und Nanobots sollte man vor dem ersten Kaffee nicht bedienen. Und das Thema fasziniert mich, wie ich auch auf meiner Seite schreibe: Man muss sich neu orientieren und an eine neue Situation gewöhnen. Jede Geschichte handelt von Veränderungen, und Transgender-Themen sind immer besonders drastische Veränderungen, weil sie nicht nur das Äußere verändern.
Reporter:
Frauen spielen in Ihren Büchern oft die Hauptrolle.
Isabella Buchfink:
Ich habe eine ganze Übersicht über meine starken Heldinnen auf der Seite. Sie sind meistens mutig, klug und ein bisschen stur. Meine Heldinnen werden nicht gerettet, sie retten andere. Und manchmal sich selbst und dazu noch den Plot.
Reporter:
Es gibt auch ernstere Titel. Ich denke an „Das Meer aus Plastik“ und „Der Tag, an dem das Licht ausging“.
Isabella Buchfink:
Genau, da geht es um die Umwelt und um unsere Abhängigkeit vom Strom. In „Das Meer aus Plastik“ treffen eine naturverbundene Frau und ein Verfahrenstechniker aufeinander und streiten sich erst mal. Dann kämpfen beide gegen die Kunststoffindustrie. Bei „Der Tag, an dem das Licht ausging“ fällt wegen eines Blitzeinschlags der Strom aus, und alle merken, wie sehr sie von ihm abhängen. Dazu schreibe ich nicht gern etwas im Dunkeln, aber das ist die Theorie.
Reporter:
Gibt es neben den Heldinnen auch Botschaften?
Isabella Buchfink:
Ja, aber ohne Zeigefinger. Es geht um Vorurteile und Rassismus, um den Missbrauch von Technologie, um die Zerstörung der Umwelt und manchmal auch um Gott und Vertrauen. Wenn ich das plump verpacke, merkt es jeder. Subtil ist mein Motto, es sei denn, jemand wird gerade von einem Monster gejagt. Dann ist es egal.
Reporter:
Sie planen Ihre Bücher sehr detailliert, habe ich gehört.
Isabella Buchfink:
Ja, ich bin eine Planerin. Charaktere, Schauplätze, Szenen, alles wird vorher skizziert. Dazu kommt eine Mindmap mit offenen Fragen und Ideen und ein Moodboard mit Bildern. Mein Plan ist so gründlich, dass die Figuren manchmal trotzdem nicht darauf hören.
Reporter:
Und dann wird in Word geschrieben.
Isabella Buchfink:
Bloß nicht! Word ist für Rechtschreibung und am Ende für den Buchsatz da. Geschrieben wird woanders. Ich schreibe nur ungern in dem Programm, in dem ich sonst Formulare ausfülle.
Reporter:
Sie tippen übrigens nicht mit zehn Fingern.
Isabella Buchfink:
Nein, nie gelernt. Ich nenne das „entschleunigtes Schreiben“. Bis ich den nächsten Satz getippt habe, ist mir meistens ein besserer eingefallen. Und wenn ich ganz faul bin, diktiere ich. Dann reden mein Computer und ich miteinander, und er versteht mich öfter als mancher Mensch.
Reporter:
Künstliche Intelligenz ist bei Ihnen ein großes Thema, nicht nur beim Schreiben, sondern auch in den Geschichten.
Isabella Buchfink:
Stimmt. In „Code der Angst“ gerät eine KI-Spezialistin in eine Verschwörung, bei „Jonathan und der sanftmütige Roboter“ steuert eine KI einen Roboter, und „Lena und das elektronische Haus“ ist ein Smart Home, das irgendwann Eigenleben entwickelt. Bei „Tod an der Rennstrecke“ gibt es selbstfahrende Autos mit eigenem Willen. Man sieht: Ich traue Technik nicht über den Weg, auch wenn ich beruflich damit arbeite.
Reporter:
Sie schreiben auch über Missbrauch von Technologie. Ist das nicht ein Widerspruch, wenn Sie selbst mit KI arbeiten?
Isabella Buchfink:
Eher eine Verpflichtung. Wer eine Technik benutzt, sollte auch ihre Schattenseiten kennen. Man kann den Hammer zum Bauen oder zum Zerschlagen benutzen. In der Science Fiction darf man ruhig mal zeigen, was passiert, wenn jemand zum falschen Zweck zuschlägt.
Reporter:
Dann zur Praxis: Wie nutzen Sie KI für Ihre Bücher?
Isabella Buchfink:
Für Bilder verwende ich verschiedene Werkzeuge. Angefangen habe ich mit Dream von WOMBO, jetzt verwende ich fast nur noch WAN AI. Eine Faustregel habe ich auch aufgeschrieben: Nach dem Generieren Finger, Arme und Nasen nachzählen. Zusätzliche Arme wirken immer ein bisschen merkwürdig. Ich habe sogar eine Galerie mit lustigen Ergebnissen angelegt, die ich euch nicht vorenthalten wollte.
Reporter:
Illustrationen machen Sie also selbst?
Isabella Buchfink:
Bei zwei Büchern hat meine Tochter gezeichnet, bei allen anderen habe ich es mit KI und unzähligen Versuchen gemacht. „Unzählige“ ist keine Übertreibung. Manche Versuche möchte ich nie wieder sehen.
Reporter:
Sie haben auch Bilder zum Leben erweitert, habe ich gelesen.
Isabella Buchfink:
Ja, aus einem einzelnen Bild kann man mit Online-Tools einen kleinen bewegten Film machen. Ich habe das mit Szenen aus „NeuroM0rph“ probiert, in denen eine Figur auf einem fremden Planeten auf Entdeckungsreise geht. Da bin ich dann Regisseurin, Kamerafrau und Maskenbildnerin in einer Person.
Reporter:
Und Hörbücher?
Isabella Buchfink:
Die würde ich gern mit professionellen Sprecherinnen und Sprechern machen, aber bis ich mir das leisten kann, bastle ich mir kleine Mini-Hörbücher mit Text-to-Speech und Musik selbst zusammen. Für Audible reicht das nicht, aber für Zuhause reicht es allemal. Und man kann auf YouTube einen kleinen Vorgeschmack bekommen.
Reporter:
Seit Kurzem gibt es auch einen Beitrag Mit KI ein Buch schreiben, in dem Sie Ihre Methode verraten. Ist das nicht ein bisschen wie Zaubern?
Isabella Buchfink:
Eher wie Backen nach Rezept. Ich lege ein Claude-Projekt an und hinterlege Anweisungen: Ich-Erzählerin, Vergangenheitsform, Zielgruppe junge Erwachsene, pro Kapitel 1350 Wörter, ein Plot-Twist und Cliffhanger an den entscheidenden Stellen. Und dann kommt das Wichtigste: Der Text soll „humanisiert“ werden und keine Gedankenstriche enthalten. Die KI soll nicht aussehen wie eine KI.
Reporter:
Und was kommt als Nächstes?
Isabella Buchfink:
Eine JSON-Datei mit den Kommandos für die Geschichte: 17 Kapitel, zehn Figuren, zehn Schauplätze, dazu Titelvorschläge, Klappentext und 20 Amazon-Keywords. Für mein Beispiel habe ich einen Fantasy-Stoff mit Gestaltwandlern genommen. Das gibt mir eine Outline, in der ich dann noch Titel und Namen ändere. Es klingt kurios, aber ich habe einem Charakter schon mal den Namen Friederike gegeben, nur weil mir Agathe nicht gefiel.
Reporter:
Und dann schreibt die KI das Buch?
Isabella Buchfink:
Ich sage: „Schreibe das Manuskript und exportiere das Ergebnis.“ Im Free Plan dauert das manchmal mehrere Durchgänge. Man braucht also etwas Geduld und ein Getränk der Wahl.
Reporter:
Cover und Illustrationen entstehen ebenfalls per KI?
Isabella Buchfink:
Ja, in zwei Schritten: Erst erzeuge ich mit WAN AI die Szene, dann lade ich sie in ChatGPT hoch, das mir Titel und Autorinnenname draufsetzt. Mit GIMP skaliere ich auf Amazon-Größe. Für die Illustrationen setze ich vor den Prompt „Ultra-detailed graphite pencil sketch“, das sieht dann aus wie Bleistiftzeichnungen.
Reporter:
Das klingt, als bliebe nicht viel Arbeit für Sie übrig.
Isabella Buchfink:
Das Gegenteil! Das Manuskript kommt in meine Word-Vorlage, und dann beginnt die Arbeit: kritische Überarbeitung, Silbentrennung, Feinschliff. Das ist der aufwändigste Schritt, und dafür nehme ich mir sehr viel Zeit. Die KI liefert die Rohfassung, den Rest macht die Autorin. Da ist das Warten bei Claude, bis ich den nächsten Generierungsschritt machen darf ein Klacks.
Reporter:
Es gibt sogar Bonus-Tipps, etwa Karten und Musik.
Isabella Buchfink:
Ja, mit ChatGPT erstelle ich eine Karte der Schauplätze, und aus der Geschichte lasse ich mir englische Liedtexte schreiben. Dann läuft mein Roman auch als Song. Das ganze soll ja auch Spaß machen.
Reporter:
Wo finden wir Ihre Bücher noch?
Isabella Buchfink:
Auf meiner Homepage stehen Leseproben, Comics und Booktrailer, außerdem YouTube und Instagram.
Reporter:
Ihr Schlusswort?
Isabella Buchfink:
Plant ruhig, probiert KI aus und zählt die Finger nach. Und wenn Sie in einem meiner Bücher aufwachen und plötzlich ein anderer sind: Keine Panik, es ist nur ein Plot-Twist.
Reporter:
Frau Buchfink, vielen Dank für das Gespräch.
Dieses Interview wurde von Claude Künstling im Auftrag der Autorin geführt.
Mehr über die starken Heldinnen in meinen Geschichten findet ihr in dieser Übersicht.





