„Die Gesandte“ ist eine dystopische Geschichte um einen Diplomat, der sich für eine besonders knifflige Mission eine junge Frau verwandeln lässt.
Ich war fünfundvierzig Jahre alt, ruhig, erfahren und stolz auf meinen Ruf als unbestechlicher Diplomat, als eine außerirdische Delegation vor meiner Tür stand und mein Leben auf den Kopf stellte. Die Wesen, die sich an Bord ihres Botschaftsschiffs Lichtkelch versammelt hatten, gehörten einer matriarchal organisierten Spezies an, die tief davon überzeugt war, dass nur weibliche Gesandte vertrauenswürdig genug seien, um in einem eskalierenden interstellaren Krieg zu vermitteln. Ich sollte ihr Werkzeug werden. Nicht als Berater, nicht als Übersetzer, sondern verwandelt, Zelle für Zelle, in eine junge Frau.
Aus Paul wurde Paula. Langes rotes Haar, ein Körper, der sich fremd und zugleich erschreckend lebendig anfühlte, gehüllt in einen glänzenden schwarzen Catsuit, der für Kampf und Diplomatie gleichermaßen gemacht schien. Ich musste lernen, in dieser neuen Haut zu gehen, zu sprechen, zu kämpfen und vor allem zu verhandeln. Space-Polo, eine Leidenschaft, die ich nie besessen hatte, wurde plötzlich Teil meiner Erinnerungen und meines Körpergefühls, so als hätte man mir nicht nur eine neue Gestalt, sondern auch neue Instinkte eingepflanzt.
Meine Aufgabe führte mich mitten hinein in einen Konflikt zwischen zwei verfeindeten Nationen, deren Krieg immer mehr Kolonien und Leben verschlang. In einem futuristischen Badehaus auf der neutralen Station Threnia traf ich mich heimlich mit Solmon, dem Außenminister der gegnerischen Seite, um Wege für einen Waffenstillstand auszuloten. Zwischen Dampf und Misstrauen entstand eine fragile Vertrauensbasis, die schon bald auf die Probe gestellt wurde.
Auf meinem Weg begegnete ich Kade, einem jungen Piloten, dessen Kenntnis der umkämpften Grenzregionen sich als unschätzbar erwies. Aus anfänglichem Misstrauen wurde eine Verbindung, die tiefer ging, als ich es für möglich gehalten hätte, und die mich zwang, mich zu fragen, wer ich in diesem neuen Körper eigentlich war.
Die offiziellen Verhandlungen auf der Station Meridian endeten beinahe in einer Katastrophe, als ein Anschlag verübt wurde. Auf der Flucht durch die verwinkelten Tunnel von Undergrid entkam ich nur knapp meinen Verfolgern, wurde jedoch kurz darauf in der Hauptstadt des totalitären Regimes, Kolyrat, gefangen genommen.
Im Verlies unter der Zitadelle traf ich auf Caeryssa, die Wissenschaftlerin, die die Technologie meiner Verwandlung ursprünglich entwickelt hatte, allerdings nicht für die Außerirdischen, sondern für das Regime selbst. Was ich dort erfuhr, erschütterte alles, was ich über meinen Auftrag zu wissen glaubte. Ich wollte aufgeben, zurückverwandelt werden und diesen fremden Körper und die Last der Verantwortung hinter mir lassen.
Doch nachdem ich die wahren Absichten hinter meiner Verwandlung und dem Krieg erkannt hatte, beschloss ich, die Mission zu Ende zu führen, auch wenn ich dabei einen Verrat aus meinem engsten Kreis aufdecken musste. In einer letzten Konfrontation mit dem Anführer des Regimes stand nicht nur der Frieden zwischen zwei Nationen auf dem Spiel, sondern auch die Frage, wem mein neuer Körper und mein neues Leben eigentlich gehörten.
Am Ende, als der Frieden geschlossen war, trafen Kade und ich uns am Kristallsee des Planeten Soleya wieder, an einem Ort, der zum ersten Mal seit meiner Verwandlung nicht nach Auftrag, sondern nach einem eigenen, selbstgewählten Leben aussah.
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