In meiner Geschichte Ungestillte Sehnsucht gibt es die Szene „Danke Gott“, in der Larissa seit langer Zeit mal wieder eine Kirche besucht. Sie hat ein Gespräch mit einem Priester und erzählt ihm, wie ihr größter Wunsch, ein Mädchen zu werden, in Erfüllung gegangen ist. 

Sie unterhalten sich über die Schöpfung, Gott und das Reden mit Gott. Dabei lernt Larissa, wie einfach es sein kann, zu beten.

Nach den ganzen Ereignissen und Veränderungen der vergangenen Tage hatte ich das Bedürfnis nach Stille, um in Ruhe nachzudenken. Ich hatte erlebt, wie ich Menschen motivieren konnte, sich zu engagieren, und ich dachte darüber nach, wie ich mein Talent nutzen konnte, um anderen zu helfen.

Und ich stellte mir immer wieder die Frage, wer ich war. Ich hatte noch viele Eigenschaften von Manuel, doch oft hatte ich das Gefühl, dass ich mit meinem ganzen Wesen Maren war und ihre Charaktereigenschaften mich immer mehr bestimmten.

Ich glaube, es war Maren, sie mich dazu brachte, in die Kirche zu gehen. Für Manuel spielten religiöse Fragen keine Rolle. Vielleicht musste ich mal mit Nemeth darüber reden.

Die St. Lukas-Kirche war eine alte, romanische Kirche. Sie stand im Zentrum in unserem Viertel zwischen dem Marktplatz und dem Friedhof.

Ich besuchte die Kirche an einem ruhigen Nachmittag und ging neugierig durch den Mittelgang nach vorne. Sonnenlicht fiel durch die bunten Glasfenster und es war kühl und ruhig.

Ich betrachtete den Alter, der mit bunten Blumen und Kerzen geschmückt war, und das geschnitzte Kruzifix, das sich dahinter erhob.

Ich setzte mich in die erste Reihe und ließ die Stille auf mich wirken. Es tat gut, hier zur Ruhe zu kommen und meine Gedanken zu ordnen. Ein paar Dinge waren aus meinem Religionsunterricht hängen geblieben. Gutes tun gehörte dazu, die Toleranz gegenüber Minderheiten und Randgruppen. Ich versuchte mich an das Vaterunser zu erinnern, doch das war schon lange her. Ich hatte nie das Bedürfnis verspürt, zu Gott zu beten.

Danke Gott: Larissa besucht die Kirche in "Ungestillte Sehnsucht"

Der Pastor kam aus der Sakristei und begrüßte mich.

„Friede sei mit dir, mein Kind.“

„Danke“, antwortete ich, „es ist lange her, dass ich das letzte Mal in der Kirche gewesen bin.“

„Möchtest du darüber reden?“ fragte er mich, „komm einfach auf mich zu, wenn du mit mir beten möchtest oder den Segen unseres Herrn empfangen möchtest.“

„Die Stille hier tut mir gut. Die letzten Wochen waren aufregend und es hat sich viel in meinem Leben verändert.“

Ich erzählte ihm von meinem Wunsch, ein Mädchen zu werden, meiner Verwandlung bei TransMuTec, den Freunden, die ich gefunden hatte und Marens Erinnerungen, die mich am Anfang schrecklich beunruhigt hatten und die ich dann doch zu schätzen gelernt hatte.

„Manchmal frage ich mich, wer ich bin“, sagte ich zu ihm, „ich bin ein neuer Mensch geworden, und doch ist vieles von mir noch der alte Manuel, der ich war.“

Er hörte sich alle geduldig an und dachte einen Moment lang nach, bevor er antwortete.

„Du hast die Chance bekommen, das Leben zu führen, dass du wolltest. Danke Gott dafür. Du musst dich nicht um große Worte bemühen. Schon ein kurzes ‚Ich danke dir, Gott‘ ist ein großartiger Anfang und du wirst erleben, dass er es hört.“

„Okay“, antwortete ich, „das ist eigentlich ganz einfach.“

„Das ist es“, versicherte er mir und lächelte, „auch wenn du es nicht in Worte fassen kannst, was dich bewegt, weiß er es. In 1. Samuel 16 steht geschrieben ‚Ein Mensch sieht, was vor Augen ist; der HERR aber sieht das Herz an‘. Niemand kennt dich so gut wie er.“

„Und wie spricht er zu mir? Kann ich es hören?“

„Zuhören ist oft schwieriger, als zu reden“, erklärte er mir, „aber du wirst es erleben, wenn du es versuchst.“

„Ich werde es versuchen“, versprach ich ihm, „aber ich glaube, ich fange mit diesem ‚Danke Gott‘ an.“

„Jeder Mensch ist ein Geschöpf Gottes und wir sind perfekt, wie er uns geschaffen hat, auch wenn ich verstehen kann, dass du ein anderer Mensch werden wolltest. Lebe jeden Tag in der Dankbarkeit für das, was er dir geschenkt hat, und staune wie ein Kind in Ehrfurcht vor seiner Güte und Größe.“


Mehr über die starken Heldinnen in meinen Geschichten findet ihr in dieser Übersicht.

 
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Isabella Buchfink

Isabella Buchfink ist ein Pseudonym. Sie schreibt Science Fiction, Thriller und Fantasy-Geschichten. Sie lebt im Süden Deutschlands und arbeitet im Realen Leben in der ungefährlichen Welt der IT. Neue Bücher sind in Bearbeitung und noch gehen ihr die Ideen nicht aus…

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