Orin hatte die Stadt in Sektoren eingeteilt.

Nicht offiziell, nicht auf einer Karte – Karten waren in einer Stadt, die sich ständig umschrieb, ohnehin ein theoretisches Konzept –, sondern im Kopf, mit der pragmatischen Systematik von jemandem, der gelernt hat, dass Orientierung eine Entscheidung ist und keine Gegebenheit. Er hatte Ankerpunkte gewählt: Dinge, die sich weniger veränderten als andere. Alte Strukturen, tief gegründet, mit so viel Vergangenheit in sich, dass die Nichtlinearität an ihnen abglitt wie Wasser an Stein.

Der Bezirk im Nordosten war kein Ankerpunkt.

Der Bezirk im Nordosten war das Gegenteil davon.

Orin stand an seinem Rand und schaute hinein, mit der Konzentration eines Mannes, der einen Raum betritt, in dem die Schwerkraft anders ist, und sichergehen will, dass er das weiß, bevor er den Fuß hebt.

* * *

Die Grenze war nicht sichtbar.

Es gab keine Linie, keine Markierung, keine physische Veränderung des Pflasters oder der Wände. Es gab nur diesen Moment, in dem die Stadt aufhörte, sich zu überlagern, und anfing, sich zu wiederholen.

Orin bemerkte es mit dem Teil von ihm, der nicht aus dieser Welt stammte.

Das war die beste Beschreibung, die er je gefunden hatte, für das, was er war: der Teil von ihm, der nicht aus dieser Welt stammte. Nicht aus irgendeiner Welt, genau genommen. Er war in der Nulllinie geboren, in dem schmalen Raum zwischen Zeitlinien, in dem nichts existierte, das hätte existieren sollen – kein Land, keine Geschichte, keine Vergangenheit, die auf eine Zukunft hinwies. Seine Mutter hatte später gesagt, sie hätte es gespürt, in dem Moment, als er ankam: dass er leicht war auf eine Art, die nicht von Gewicht handelte. Dass er irgendwie neben der Zeit stand, statt in ihr.

Das hatte ihn zur Agentur geführt. Die Agentur hatte einen Namen dafür: Nulllinien-Affine. Menschen – wenn man sie so nennen wollte –, die in dem Zwischenraum entstanden waren und deshalb immun gegen das waren, was allen anderen geschah, wenn die Zeit aufhörte, Regeln zu befolgen.

Schleifen, zum Beispiel.

Orin trat über die unsichtbare Grenze.

Die vergessenen Pfade: Der Tag, der nicht vergeht

* * *

Der Bezirk empfing ihn mit Stille.

Nicht der Stille des Experiments, nicht das vollständige Aussetzen aller Geräusche – eher die Stille eines Raums, in dem immer dasselbe passiert. Ein Hintergrundgeräusch, das so konstant ist, dass es aufgehört hat, wahrgenommen zu werden. Schritte auf Pflaster. Eine Tür, die zugeht. Stimmen aus einem Fenster im zweiten Stock, zu undeutlich, um die Worte zu verstehen, deutlich genug, um das Muster zu erkennen: Satz, Pause, Satz, Pause, Lachen, Satz.

Immer wieder.

Orin lief die Hauptstraße hinunter und zählte.

Beim dritten Mal hörte er es: Die Schritte hinter ihm wiederholten sich exakt. Nicht ähnlich – identisch, dieselbe Rhythmik, derselbe Abstand, dieselbe leichte Unregelmäßigkeit beim fünften Schritt, als würde jemand kurz stocken. Er drehte sich um.

Eine Frau, Mitte dreißig, mit einer Einkaufstasche, die zu schwer war für ihren Inhalt. Sie lief die Straße hinunter, an ihm vorbei, ohne ihn zu sehen. Bog links ab. Verschwand um die Ecke.

Orin wartete.

Zwölf Sekunden.

Die Frau betrat die Straße von rechts. Dieselbe Tasche. Derselbe Schritt. Dieselbe leichte Unregelmäßigkeit beim fünften. Sie lief an ihm vorbei, ohne ihn zu sehen. Bog links ab.

Er wartete.

Zwölf Sekunden.

* * *

Er kannte das Prinzip. Er hatte es in Schulungen gelernt, in Einsätzen beobachtet, in Berichten gelesen, die von anderen Agenten stammten, die in anderen Bezirken andere Varianten desselben Problems dokumentiert hatten. Temporale Kompression. Ein Moment, der so oft wiederholt oder so intensiv erlebt worden war, dass er sich in die Struktur eingefressen hatte wie ein Geräusch in eine Wand.

Was er nicht kannte – was keine Schulung ihm beigebracht hatte, weil Schulungen von Fakten handelten und nicht von dem Gefühl, das entstand, wenn man mittendrin stand –, war die Stille dahinter.

Die Bewohner des Bezirks liefen ihre Schleifen, sprachen ihre Sätze, vollzogen ihre Handlungen. Und hinter allem, unter allem, in dem Raum zwischen einer Iteration und der nächsten, war eine Stille, die nicht aus Abwesenheit bestand, sondern aus Gewöhnung.

Sie hatten aufgehört, es zu bemerken.

Das war das Beängstigendste.

* * *

Er lief tiefer in den Bezirk hinein.

Die Häuser hier waren älter als im Rest der Stadt, oder wirkten älter – schwer, aus einem Stein, der Farbe absorbierte statt zu reflektieren. Die Fenster hatten die Qualität von Augen, die nicht mehr schauen, sondern nur noch auf sind. Auf einem Balkon im dritten Stock stand ein Mann und rauchte. Legte die Zigarette ab. Nahm sie auf. Rauchte. Legte sie ab.

Orin schaute kurz hin und dann weg.

Die Schleife war klein – vielleicht dreißig Sekunden, vielleicht weniger. Kleine Schleifen waren stabiler als große. Große Schleifen – die mit Stunden oder Tagen – neigten dazu, sich aufzulösen, die Energie zu dissipieren, bis nichts mehr übrig war als ein schwacher Abdruck. Kleine Schleifen fraßen sich fest. Kleine Schleifen waren die, aus denen man die Menschen nicht mehr herausholen konnte, ohne die Schleife selbst zu zerstören.

Und die Schleife zu zerstören bedeutete meistens, den Moment zu zerstören.

Und den Moment zu zerstören bedeutete manchmal, den Menschen zu zerstören.

Manchmal war ein Wort, das in Agenturberichten sehr viel Arbeit leistete.

* * *

Er fand die Bäckerei in der zweiten Querstraße.

Sie war geöffnet – oder sie vollzog den Zustand des Geöffnetseins, was in diesem Bezirk dasselbe war. Im Schaufenster lagen Brote und Brötchen, frisch, mit der Farbe von Dingen, die gerade aus dem Ofen kamen. Orins Magen meldete sich, zuverlässig und ohne Feingefühl für den Kontext, und er blieb stehen und schaute hinein, nicht wegen des Hungers, sondern wegen des Mannes hinter der Theke.

Der Mann hinter der Theke war alt, siebzig oder mehr, mit dem geraden Rücken von jemandem, der sein Leben lang gestanden hatte, und Händen, die so viel Mehl berührt hatten, dass es in die Haut eingezogen war. Er bewegte sich langsam und mit vollständiger Sicherheit, jeder Griff präzise, jeder Schritt gewusst. Er nahm ein Brot, legte es ab, nahm das nächste, legte es ab.

Orin trat ein.

Die Glocke über der Tür klingelte. Der Mann schaute auf.

Und das war der Unterschied.

Er schaute auf. Nicht durch Orin hindurch, nicht mit dem Blick der Schleifenbewohner, die alles sahen, was zu ihrer Iteration gehörte, und nichts, was außerhalb lag. Er schaute auf, und seine Augen fanden Orin, und darin war etwas – schwach, flackernd, wie das letzte Licht einer Kerze in einem Zug –, das Erkennen war.

Nicht von Orin. Aber von der Möglichkeit, dass da jemand stand, der anders war.

* * *

Orin setzte sich an den kleinen Tisch neben dem Fenster.

Der Mann kam nicht sofort. Er vollendete zuerst, was er getan hatte – legte das letzte Brot ab, richtete es aus, trat einen Schritt zurück und betrachtete das Ergebnis mit der Genauigkeit eines Menschen, dem Ordnung nicht Kontrolle bedeutete, sondern Respekt. Dann kam er.

Er setzte sich nicht. Er blieb stehen, die Hände auf der Thekenkante, und schaute Orin an. Der Blick war nicht klar – das Flackern war immer noch da, und darunter die Gewöhnung, das Sediment der Schleife, das sich abgesetzt hatte wie Schlamm auf dem Boden eines stehenden Gewässers. Aber er war da.

»Du gehörst nicht hierher«, sagte der Mann.

Keine Frage. Eine Feststellung.

»Nein«, sagte Orin.

Der Mann nickte. Als wäre das ausreichend. Als hätte er gewartet auf jemanden, der nicht hierher gehörte, und als wäre die Bestätigung eine Art von Erleichterung.

»Wie lange?«, fragte Orin.

»Ich weiß es nicht mehr.« Der Mann schaute aus dem Fenster. Auf die Straße. Auf die Frau mit der Einkaufstasche, die an der Ecke verschwand und zwölf Sekunden später wiederkam. »Irgendwann hat das Zählen aufgehört zu helfen.«

»Was zuletzt?«

»Bevor es anfing?« Eine lange Pause. »Ein gewöhnlicher Tag. Das ist das Merkwürdige. Es war ein vollkommen gewöhnlicher Tag.«

Orin wartete.

»Das Brot war gut geworden. Das Wetter war in Ordnung. Meine Tochter hat angerufen, kurz, wegen irgendetwas Praktischem.« Er schaute auf seine Hände. »Ich erinnere mich an alles davon. Jedes Detail. Ich erinnere mich daran so genau, weil ich es nicht vergessen kann. Es ist das Einzige, das noch da ist.«

»Du erinnerst dich an vorher?«

»An Fragmente.« Er schaute wieder auf. Das Flackern war stärker jetzt, als würde das Gespräch die Kerze ein wenig aufhellen. »An eine Zeit, in der Tage aufhörten und neue anfingen. An das Gefühl davon. Ich erinnere mich nicht an die Inhalte. Nur an das Gefühl.«

* * *

Orin zog das Notizbuch heraus, das er immer trug.

Es war schmal, schwarz, mit einem Einband, der an den Ecken abgestoßen war – er hatte es seit der Ausbildung, hatte es in mehr Einsätzen dabei gehabt als er zählen konnte, und es hatte die Qualität von Dingen, die oft genug gehalten worden waren, um zu wissen, wie man gehalten werden will.

Er legte es auf den Tisch. Öffnete es nicht.

»Ich muss dich etwas fragen«, sagte er. »Es ist wichtig, und ich brauche eine genaue Antwort.«

Der Mann schaute auf das Notizbuch. Dann auf Orin.

»Caelan Veyne«, sagte Orin. »War er hier?«

Die Stille, die folgte, war eine andere Stille als die der Schleife.

Sie war persönlich.

Der Mann schaute aus dem Fenster, dann auf seine Hände, dann irgendwo in einen mittleren Abstand, in den Raum zwischen dem, was er sah, und dem, was er erinnerte. Das Flackern in seinen Augen wurde unruhiger – nicht verlöschend, sondern suchend, wie jemand, der einen Begriff kennt und nach dem Wort sucht.

»Ein Mann«, sagte er schließlich, langsam, als würde er jeden Bestandteil des Satzes prüfen, bevor er ihn hinstellte. »Der nicht bleibt. Der durch die Schichten geht wie durch Türen.«

»Ja.«

»Er war zuerst hier.«

Orin hörte auf zu atmen.

»Bevor es anfing?«

»Bevor es anfing.« Der Mann nickte, einmal, langsam. »Er ist durch meinen Laden gegangen. Hat nichts gekauft. Hat sich umgeschaut, wie jemand, der die Abmessungen eines Raums prüft. Und dann-« Er brach ab.

»Und dann?«

»Dann hat er etwas getan, das ich nicht beschreiben kann. Mit den Händen. Mit der Luft. Es hat sich angefühlt, als würde jemand den Faden einer Naht finden und ihn festhalten.« Eine Pause. »Am nächsten Tag hat es angefangen.«

* * *

Orin schrieb.

Er schrieb schnell, mit der knappen Handschrift, die er sich in der Ausbildung angewöhnt hatte – minimal, eindeutig, auf Wiederlesbarkeit optimiert statt auf Eleganz. Der Mann schaute ihm zu, mit dem Ausdruck von jemandem, der beobachtet, wie eine Handlung eine Bedeutung bekommt, die er ihr nie gegeben hätte.

»Du schreibst es auf«, sagte er.

»Ja.«

»Warum?«

Orin legte den Stift hin. Schaute ihn an. »Weil du es mir gesagt hast, und weil es wichtig ist, und weil ich es nicht vergessen will.«

Der Mann betrachtete ihn.

»Kannst du vergessen?«, fragte er. Nicht skeptisch – ehrlich neugierig, mit dem Ton von jemandem, dem Vergessen längst ein theoretisches Konzept geworden war.

»Ja.« Orin klappte das Notizbuch zu. »Ich kann alles vergessen. Ich habe keine Verbindung zu irgendeiner Zeitlinie, die mich erinnert. Ich habe nur das, was ich aufschreibe.«

Der Mann schaute auf das Notizbuch.

»Das klingt einsam.«

Orin steckte es ein. »Ja«, sagte er. »Das klingt einsam.«

* * *

Er versuchte, noch mit anderen zu sprechen.

Drei weitere, in dem Bezirk: eine junge Frau, die immer wieder dieselbe Treppe hinaufstieg; ein Kind, das auf dem Bürgersteig ein Muster aus Kreide zeichnete, das sich nach der Hälfte wiederholte; ein alter Mann auf einer Bank, der die Zeitung las, die er schon tausendmal gelesen hatte.

Die junge Frau schaute durch ihn hindurch.

Das Kind hob den Kopf, als er sprach, mit einem Ausdruck, der ihn kurz hoffen ließ – aber dann war es Reflex, die Reaktion auf Schall, nicht auf Inhalt. Es zeichnete weiter.

Der Mann mit der Zeitung schaute auf.

Aber sein Blick war leer. Nicht böse leer, nicht gleichgültig leer. Einfach abwesend – wie ein Zimmer, in dem alle Möbel noch stehen und trotzdem niemand mehr wohnt.

Orin blieb eine Weile bei ihm sitzen.

Er wusste nicht, warum. Es half nichts, und er hatte Aufgaben, und die Zeit – im übrigen Sinne, im Sinne, der noch funktionierte – lief. Aber er blieb sitzen, weil der Mann neben ihm die Zeitung hielt und weil Gesellschaft manchmal bedeutet, einfach da zu sein, auch wenn kein Austausch möglich ist.

Die Agentur hatte ihm das nicht beigebracht.

Die Agentur hätte es ineffizient genannt.

Er blieb trotzdem.

* * *

Auf dem Weg zurück dachte er an die Ausbildung.

Drei Jahre, in einem Gebäude ohne Fenster in einer Stadt, die er nie ganz lokalisieren konnte – er hatte es einmal versucht, auf einer Karte, und die Koordinaten hatten auf einen Ort gezeigt, der auf der Karte leer war, was die Agentur für bezeichnend gehalten hatte. Drei Jahre Theorie und Praxis, Zeitphysik und Anomalieklassifikation, Einsatzprotokolle und Entscheidungsrahmen für Situationen, in denen die normalen Entscheidungsrahmen aufgehört hatten zu funktionieren.

Und ein Briefing, sehr früh, das er nicht vergessen hatte.

Es wird Menschen geben, hatte sein Ausbilder gesagt, ein Mann mit dem Nachnamen Vael, der sprach wie jemand, der jeden Satz dreimal gedacht hatte, bevor er ihn sagte, die du nicht retten kannst. Die Schleife ist zu tief, der Moment zu fest. Du wirst trotzdem versuchen wollen, sie zu retten. Das ist normal. Das ist menschlich. Aber es ist nicht deine Aufgabe.

Was ist meine Aufgabe?, hatte Orin gefragt.

Die Struktur stabilisieren. Das Große sichern. Die Einzelnen sind Kollateralschaden.

Er hatte nickt.

Er hatte nie aufgehört, das falsch zu finden.

* * *

Er trat über die unsichtbare Grenze zurück.

Die Stadt empfing ihn mit ihrer üblichen Geschäftigkeit: Schichten, Überlagerungen, Vergangenheit und Zukunft gleichzeitig, das gewohnte Chaos, das sich inzwischen fast normal anfühlte. Er blieb kurz stehen und atmete durch, weil der Wechsel einen Moment brauchte – vom Zu-wenig des Bezirks zum Zu-viel der Stadt draußen.

Veyne war zuerst hier.

Er ließ den Satz sich setzen.

Die Schleifen waren nicht spontan entstanden. Nicht als Nebeneffekt, nicht als Kollateralschaden des Kausalitätszusammenbruchs. Caelan Veyne hatte den Bezirk besucht, bevor es anfing. Hatte die Luft mit den Händen berührt, hatte den Faden gefunden, hatte ihn festgehalten.

Das war kein Nebeneffekt.

Das war Absicht.

Die Frage war nicht mehr, ob Veyne hinter den Schleifen steckte. Die Frage war, warum er sie erschuf. Was er mit Bezirken voller Vergessener wollte. Was das Muster war, das noch nicht sichtbar war.

Orin zog das Notizbuch heraus. Schrieb drei Sätze. Klappte es zu.

Er würde es Miriam sagen müssen.

Nicht alles – noch nicht alles, weil nicht alles sicher war und er Schlüsse nicht kommunizierte, bevor er sie belegen konnte. Aber das hier war belegt. Drei Worte, von einem Mann, der noch genug Bewusstsein hatte, um sie zu sagen.

Veyne war zuerst hier.

* * *

Das Signal kam, als er die zweite Kreuzung überquerte.

Es war kein Ton, kein Gerät – die Agentur kommunizierte nicht über Technologie, die zerbrach, wenn die Zeit aufhörte, linear zu verlaufen. Es war ein Impuls, direkt, in das Teil von ihm, das nicht aus dieser Welt stammte: eine Information, übermittelt auf dem Weg, auf dem die Nulllinie mit sich selbst kommunizierte.

Kompakt, präzise, wie alles aus der Agentur:

Ziel hat die Tote Zone betreten. Unbegleitet.

Orin blieb stehen.

Unbegleitet.

Er schaute auf die Straße. Auf die Richtung, die zur Toten Zone führte, drei Bezirke weiter, durch Gebiete, die sich schlechter verhielten als dieser hier.

Er hatte ihr gesagt, sie solle ohne ihn nichts unternehmen.

Er hatte es nicht ausdrücklich gesagt. Er hatte es angenommen. Er hatte vorausgesetzt, dass sie es wusste.

Das ist das Problem mit ihr, dachte er, mit einer Mischung aus Frustration und etwas, das keine gute Beschreibung hatte. Sie macht ihre eigenen Entscheidungen. Immer.

Er lief.

* * *

Die Stadt ließ ihn passieren, meistens.

Einmal versperrte eine Schicht den Weg – eine Menschenmenge aus einer anderen Zeit, dicht, laut, mit Transparenten und Stimmen –, und er musste einen Umweg nehmen, durch eine Gasse, die in zwei Zeitebenen gleichzeitig verlief und sich unter seinen Füßen leicht anfühlte, als würde er auf etwas Dünnem laufen, das noch hielt.

Er lief schneller.

Er dachte an den Bäcker und seinen gewöhnlichen Tag, und das Brot, das gut geworden war, und die Tochter, die angerufen hatte. Er dachte an den Mann mit der Zeitung, der nichts mehr sah. Er dachte an zwölf Sekunden, und an die Frau mit der Einkaufstasche, und an das Kind mit der Kreide, das den Kopf gehoben hatte, als er sprach, und es kein Erkennen gewesen war.

Er dachte an Miriam, die allein in der Toten Zone stand.

Die Tote Zone, in der Zeit stillstand und Bewusstsein blieb.

In der nichts alterte und nichts sich bewegte.

In der Caelan Veyne ein verborgenes Ziel hatte, das er noch nicht kannte, in einer Sprache, die er noch nicht lesen konnte.

Unbegleitet.

Er lief schneller.


Mehr über die starken Heldinnen in meinen Geschichten findet ihr in dieser Übersicht.

 
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Kategorien: AI Books

Isabella Buchfink

"Isabella Buchfink" ist ein Pseudonym. Ich schreibe Science Fiction, Thriller, Horror und Fantasy-Geschichten. Auf dieser Seite möchte ich nach und nach ein bisschen über mich schreiben, über meine Erfahrungen, meine Arbeitsweise, Programme und Werkzeuge, mit denen ich arbeite und so weiter. Ich lebe im Süden Deutschlands und arbeite im Realen Leben in der relativ ungefährlichen Welt der IT. Mein erster Versuch, einen Roman zu veröffentlichen, war ein Flop. Drei Bände meiner "Geschichten aus dem Transporterraum" habe ich bei einem Verlag veröffentlich und kaum ein Buch verkauft. Die nächsten Geschichten habe ich nun bei Amazon KDP veröffentlicht und kümmere mich um alles selber: Buchsatz, Korrektorat und Cover-Design. Bei zwei meiner Bücher hat meine Tochter die Illustrationen gezeichnet, bei den anderen habe ich sie mithilfe von Künstlicher Intelligenz und unzähligen Versuchen selbst erstellt.

1 Kommentar

Die vergessenen Pfade: Echo meines Ichs - Isabella Buchfink · 27. Februar 2026 um 9:21

[…] 5. Kapitel: Der Tag, der nicht vergeht […]

Die Kommentare sind geschlossen.

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