‚Kunstseminar‘ ist ein Kapitel aus meiner Geschichte Maren und das Geheimnis ihres Tagebuchs.

In dem Seminar lernt sie Candy kennen, die für die Seminar ‚Bildende Kunst‘ beim Aktzeichnen Modell steht.

Die junge, farbige und selbsbewusste Frau fasziniert Maren.

Tagebucheintrag vom 9. August
Bei meiner Nachbarin Biggie geht es ordentlich zur Sache. 
Fast jede Nacht bringt sie einen Typen mit nach Hause, 
und die Wände sind so dünn, dass man das Quietschen ihres Betts 
und ihr Stöhnen nicht überhören kann.
Ein bisschen beneide ich sie und ich hoffe, 
dass es mehr ist als nur Sex.

Ich hatte mir nicht viel dabei gedacht, als ich mich für das Seminar ‚Bildende Kunst‘ angemeldet hatte. Mein Hauptinteresse war, meine Zeichentechnik zu verbessern, denn unser Studienplan sah ein paar Hausarbeiten und Abgaben, bei denen wir Aufgaben zu unterschiedliche Themen mit verschiedenen Techniken bearbeiten mussten, von Bleistiftskizzen bis zu einem Design einer kompletten Webseite.

Ich hatte Bleistifte und Kohlestifte eingepackt und mir noch schnell einen Skizzenblock gekauft.

Der Zeichensaal, in dem das Seminar stattfand, war gut gefüllt. Offensichtlich war das Kunstseminar sehr beliebt, vor allem bei den männlichen Studenten.

Die Stühle waren in einem großen Kreis gestellt, in dessen Mitte ein Stuhl, eine Matratze und ein großer Holzblock vorbereitet waren.

Ich sah mich um, konnte aber niemanden erkennen, den ich kannte. Na ja, das würde sich ja bald ändern, dachte ich.

Zwei Studenten, die neben mir im Kreis saßen, flüsterten miteinander. Ich konnte ein paar anzügliche Bemerkungen aufschnappen und versuchte, sie zu ignorieren.

Die Dozentin, Frau Ganzson, betrat den Raum und ergriff das Wort. Die Gespräche verstummten und sie begann zu erklären:

„Wir werden heute mit einer ersten Studie des menschlichen Körpers beginnen“, sagte sie, „unser Modell heißt Candy, einer der wenigen Modelle, die wir in diesem Semester gewinnen konnten.“

„Falls ihr jemanden kennen solltet, der für uns Modell stehen möchte, so sagt mir Bescheid. Es gibt sogar ein Honorar dafür. Jeder, der lange genug stillsitzen oder in einer Pose stehen kann, ist dafür qualifiziert.“

Der Kerl neben mir wandte sich zu mir. „Das wäre doch was für dich“, flüsterte er.

„Das glaube ich kaum“, wandte ich ein, „dabei kann ich nichts lernen, was ich nicht schon könnte. Sitzen, liegen und lächeln kann ich schon sehr lange.“

„Es gibt ein einige wenige Regeln für das Aktzeichnen“, fuhr Frau Ganzson fort, „ihr haltet einen angemessenen Abstand zu dem Modell und haltet euch mit blöden Sprüchen und schlüpfrigen Kommentaren zurück, ist das klar?“

Die meisten nickten. Keines der Mädchen wollte selbst solche Sprüche hören.

„Die Grenze zwischen Pornografie und die künstlerische Darstellung ist nicht klar definiert, und einige Künstler verstoßen gelegentlich absichtlich gegen Konventionen, um eine Aussage zu transportieren.“

„Mit der Zeit werdet ihr Erfahrungen sammeln, welche Form der Darstellung für eure Kunstwerke angemessen ist.“

„Dabei geht es nicht um die Frage, wie viel Nacktheit möchte ich darstellen. Der menschliche Körper ist eines der wundervollsten Motive, die ihr finden könnt.“

„Und damit meine ich nicht nur die Mädchen, die aussehen, als wären sie aus einer Casting-Show geflüchtet.“

Wir lachten und ich war sicher, dass alle sich ihre kleine Ansprache zu Herzen nehmen würden.

„Und jetzt möchte ich euch Candy vorstellen“, schloss Frau Ganzson und Candy betrat das Atelier.

Sie war ein wunderschönes, farbiges Mädchen mit einer dunklen Haut, wildem, lockigen Haar und einem schlanken Körper, der bestimmt nochmal 5 Kilo leichter war, als.

Im Kunstseminar trifft Maren Candy, ein wunderschönes, farbiges Mädchen mit einer dunklen Haut, wildem, lockigen Haar und einem schlanken Körper

Candy trug einen rosaen Bademantel, und als sie ihn ablegte hielten alle den Atem an.

„Hi“, sagte sie, „habt ihr schon eine Pose ausgewählt?“

Es gab eine kurze Diskussion, und schließlich entschieden wir, dass sie sich mit seitlich angewinkelten Beinen auf die Matratze knien sollte, den Blick nach vorne gerichtet, den rechten Arm über dem Kopf und die rechte Hand auf ihrem Oberschenkel.

Ich sah sie erst einmal an, ließ den Anblick auf mich einwirken. Candy schien sich in ihrer Haut wohlzufühlen, wirkte aber auch sehr verletzlich. Es schien ihr nichts auszumachen, dass wir sie ansahen, aber ihr Blick ließ vermuten, dass sie in Gedanken ganz weit weg war, als wollte sie nicht hier sein.

Vielleicht war meine Einschätzung vollkommen falsch, aber genau diese Wirkung hatte sie auf mich, und genau das wollte ich in der Zeichnung einfangen.

Jedenfalls wollte ich es versuchen. Zuerst musste ich ihre Proportionen einigermaßen treffen, die Linien für den Kohlestift vorzeichnen und genau hinsehen, wenn es später um die Details ging.

Mit einem weichen Bleistift begann ich, den Umriss auf dem Papier grob zu skizzieren. Ich musste ein paarmal radieren, bis ich mit den Proportionen zufrieden war, und nahm dann den Kohlestift zur Hand.

Mit wenigen Linien führte ich die Zeichnung aus, sah immer wieder zu Candy, um mich zu versichern, dass ich mich nicht verschätzt hatte, und war schließlich so weit, dass ich die Flächen mit dem Kohlestift ausfüllte, um Lichter, Schatten und Formen herauszuarbeiten.

Frau Ganzson kam zu mir und warf einen Blick auf meine Zeichnung.

„Sehr gut“, lobte sie, „höre rechtzeitig auf, um die Lebendigkeit nicht mit wohl konstruierten Details zu zerstören.“

Ich nickte zustimmend. An den Details könnte ich noch lange feilen, aber es waren die ersten Linien der Zeichnungen, die perfekt saßen und ihre Emotionen auf das Papier bannten. Der Leberfleck auf dem Oberschenkel und die Narben an den Armen spielten dafür keiner Rolle.

Nach einer halben Stunde änderte Candy ihre Pose, stellte sich an den Holzblock und stützte sich mit dem linken Ellenbogen ab, während sie den Blick lässig zur Seite wandte und eine Hand locker hängen ließ.

Weitere Posen folgten, einige kurz hintereinander, so dass wir uns auf grobe, rasch hin gezeichnete Skizzen beschränken mussten. Ich würde später zuhause daran weiterarbeiten und versuchen, anzuwenden, was ich in dem Seminar gelernt hatte.

Candy wirkte jetzt erschöpft und unruhig. Rasch zog sie sich an und verschwand auf der Damentoilette, während wir noch angeregt miteinander plauderten.

Als sie wieder zu uns kam, war sie wir ausgewechselt. Sie hatte ein zufriedenes Strahlen im Gesicht und ging zu einer Gruppe von Kommilitonen, die zusammenstanden.

„Na Jungs, was geht ab?“ fragte sie.

„Nicht viel“, antwortete einer von ihnen, „kommst du noch auf einen Kaffee mit in die Cafeteria?“

„Uhh, ein Date in der Cafeteria“, lachte sie, „gib mir einen doppelten Espresso aus und ich werde dich heiraten.“

Mann, jetzt ging sie aber ran, noch viel schlimmer, als Caroline, die eine Meisterin des Flirtens war!

Ich verschwand unauffällig, bevor der Typ von vorhin nochmal einen Versuch startete, und kehrte zurück ins Wohnheim.


Mehr über die starken Heldinnen in meinen Geschichten findet ihr in dieser Übersicht.
 
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Kategorien: Aktuelles

Isabella Buchfink

Isabella Buchfink ist ein Pseudonym. Sie schreibt Science Fiction, Thriller und Fantasy-Geschichten. Sie lebt im Süden Deutschlands und arbeitet im Realen Leben in der ungefährlichen Welt der IT. Neue Bücher sind in Bearbeitung und noch gehen ihr die Ideen nicht aus…

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